Samstag, August 06, 2005

Lizenz: Redigierender Autor

Wikiweise möchte sich eine neue Lizenz geben, weil die GFDL die Zirkulation der freien Inhalte angeblich behindert. Ich sehe das zwar als ein nicht so großes Problem an, aber wenn es möglich ist, eine besser an die Bedürfnisse eines Wikis angepasste Linzenz zu entwickeln, habe ich überhaupt nichts dagegen. Seit einigen Tagen liegt ein erster Entwurf vor.

Eine wichtige Änderung gegenüber der GFDL ist das Konzept des "redigierenden Autors". Der letzte Bearbeiter eines Dokumentes soll inhaltlich verantwortlich für das gesamte Dokument sein, damit später hinzugefügte Fehler nicht den Autoren der früheren Versionen angelastet werden können. Das hört sich zunächst einmal ganz vernünftig an, und würden nur Fachleute an einem Artikel schreiben, wäre das auch kein großes Problem: Idealerweise liest sich der zweite Experte den Artikel durch, kann sofort beurteilen, ob er richtig ist, ergänzt evtl. weitere Aspekte und kann mit seinem Namen für die Richtigkeit des Artikels garantieren.

Aber ein Wiki funktioniert doch anders: Der Leser soll, wenn er einen Fehler entdeckt, ihn schnell korrigieren können. Nicht jeder Leser hat aber ausreichendes Wissen, um immer die Richtigkeit des kompletten Artikels beurteilen zu können. Und manche Artikel sind nun eimal ziemlich lang und da wären zu viele Fakten zu prüfen. Außerdem herrscht bei einigen Themen Uneinigkeit, was und wie in einem Artikel behandelt werden soll. Eine graduelle Annäherung der Positionen ist überhaupt nicht möglich, wenn immer der letzte Bearbeiter für den kompletten Artikel verantwortlich gemacht wird.

Die namentliche Anmeldung bei Wikiweise verhindert auch keinesfalls diese Probleme. Dort arbeiten genauso wie in der Wikipedia auch Laien an den Artikeln (sonst gäbe es die ganzen Fehler nicht, die ich in meinen vorhergehenden Beiträgen aufgelistet habe). Und die umstritteneren Themen hat man ja bisher auch noch lieber vornehm umschifft.

Die Lösung des Problems kann eigentlich nur darin bestehen, dass man Bearbeitung und Bewertung trennt, so wie es in der Wikipedia geplant ist. Allerdings wird die Wikipedia auch noch Probleme bekommen, wenn dort nur möglich sein wird, komplette Artikel zu bewerten. Wenn man nicht auch Teile eines Artikels bewerten kann, wird es wahrscheinlich um so weniger (sinnvolle) Bewertungen geben, je länger ein Artikel ist, weil mit zunehmender Länge eine komplette Bewertung immer aufwändiger wird.

5 Comments:

At 8/06/2005 4:31 nachm., Blogger Necrophorus said...

Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

 
At 8/06/2005 4:33 nachm., Blogger Necrophorus said...

Es gibt ein sehr nettes Kartenspiel namens Anno Domini, das genau nach dieser Regel funktioniert. Immer der letzte in einer Kartenreihe "haftet" für alle vorher gemachten Fehler - bei den Wikis würde ich mich dann wohl eher hüten, einfach mal einen typo in einem Fremdartikel zu korrigieren, wenn ich damit verantwortlich für den ganzen Rest werde.

 
At 8/07/2005 4:09 nachm., Blogger Uli said...

Das Problem ist nicht unbedingt die Online-Nutzung, sondern die Offline-Nutzung (Druck), bei der aufgrund der Länge auf eine Versionsgeschichte verzichtet werden muss. Hier tritt das Problem auf, dass - weil die Versionsgeschichte wegfällt - nicht mehr klar ist, wer einen Text zuletzt bearebitet hat. Kein Autor will aber für Fehler in die Verantwortung genommen werden, die andere eingebaut haben. Das heißt, im Falle das Necro einen schönen Robben-Artikel schreibt, und Uli schließend das ganze mit der Angabe "99% von Necro, 1% von mir" druckt, aber mal eben vorher noch die Klassifikation verhunzt hat, möchte Necro dafür nicht unbedingt Prügel beziehen. Das soll der redigierende Autor sein: Eine Kennung, dass -auch wenn andere den überwiegenden Teil des Artikel erstellt haben - die Möglichkeit besteht, dass danach noch Fehler eingefügt wurden, für die sie nichts können. Im vorgeschlagenen Text wird auch entsprechend formuliert: Der redigierende Autor markiert letztlich diejenigen, die für Fehler ''nicht'' verantwortlich gemacht werden können. Es wäre ein Fehlschluss, daraus abzzuleiten, dass der red. Autor für die Fehler verantwortlich wäre. Eine Verantwortlichkeit für inhaltliche Fehler an Personen festzumachen, ist ohne Versionsgeschichte *unmöglich* Trotzdem möchten Autoren gewürdigt werden. Das Konzept versucht, dem Leser zwei Möglichkeiten an die Hand zu geben, mit deren Kombination er sich einen ungefähren Eindruck von den Verantwortlichkeiten machen kann: "Aha, der tolle Artikel ist von Necro, muss ein guter Biologe sein, aber da hat er entweder nicht aufgepasst (was mich nach dem Rest des Artikels zu urteilen wundern würde) oder der Uli als redigierender Autor hat den Fehler reingebracht. Vermutlich wird's so gewesen sein." Das ist der Sinn der Sache. Wenn Ihr bessere Vorschläge habt, wie man das ohne Versionsgeschichte löst: Immer her damit!

 
At 8/07/2005 6:12 nachm., Blogger El said...

Es ist aber schon etwas schräg, wenn man alle Autoren bis auf den letzten ("redigierenden") entlastet, und dann auch noch mit dem Hinweis dieser sei derjenige, der zuletzt [...] Fehler im Dokument entweder verursachte oder nicht korrigierte. Wo bleibt die entsprechende Entlastung des redigierenden Autors?

Statt aber getrennt zu entlasten, wäre es effizienter, gleich klarzustellen, dass keiner der Autoren für den Inhalt verantwortlich zu machen ist, solange er die veröffentlichte Version nicht explizit abgesegnet hat oder einziger Autor des Dokumentes ist.

Die GFDL bietet die Möglichkeit, "endorsements" dem Dokument hinzuzufügen. Diese endorsements müssen bei modifizierten Versionen gelöscht werden. Das ist eigentlich optimal für Texte, die in Wikis produziert wurden. Praktisch realisieren könnte man das z.B. indem man Personen, die im endorsement-Abschnitt aufgeführt werden, bei der Autorennennung speziell markiert (oder zusätzlich aufführt, falls sie keine Autoren sind).

 
At 8/08/2005 9:02 vorm., Blogger Necrophorus said...

@Uli: Bleiben wir bei den Robben: An dem Artikel waren laut WikiReader-Tool 50 unterschiedliche Leute beteiligt, davon 12 IPs. Letztere würden bei Wikiweise zwar wegfallen, aber deine Lizenz soll ja eine allgemeine Wikilizenz werden. Der letzte Autor in der Historie ist eine IP, die die Commons-Vorlage eingebaut hat, davor hat Aglarech einen linkfix gesetzt. Ich denke, vom aktuellen Artikel sind ungefähr 80% von Baldhur, die letzten 20% teilen sich über verschiedene Leute auf (incl. uli aber ohne Necro). Wie im Wiki üblich hat sich während der letzten 20 Änderungen inhaltlich nichts verändert, da der Artikel Schauplatz eines Vandal-Editwars war (wobei auch angemeldete Benutzer Vandalisiert haben), also könnte niemand der letzten 20 Edits redigierender Autor sein mit Ausnahme von Aglarech (der neben seinem linkfix vor etwa 20 Edits die letzte inhaltliche Erweiterung gemacht hat) und der IP mit der Vorlage. Ich denke, man kann bei einem solchen im Wiki über etliche Veränderungen entstandenen Artikel keinen redigierenden Autor in deinem Sinne finden und die Robben sind nicht unbedingt einer der am meisten bearbeiteten Artikel. Für die offline-Nutzung muß imho einfach von vornherein klargestellt werden, dass die Hauptautoren nicht verantwortlich sind für den gesamten Inhalt, wenn der Artikel mehr als einen Autor hat. Gruß, Achim

 

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